Erst die Arbeit, dann das Vergnügen. Aber wann kommt das Vergnügen?
Den Satz kennt jeder. Er klingt vernünftig und irgendwie tugendreich. Disziplin zuerst, dann die Belohnung. Sprich: Wer hart arbeitet, darf sich etwas gönnen.
Und das ist in meinen Augen auch eine wertvolle Tugend. Wer etwas erreichen möchte, muss dafür arbeiten. Wer im Business erfolgreich sein möchte, muss die Extrameile gehen. Da gibt es keine Abkürzungen. Ebenso wenig wie bei den eigenen Gesundheitszielen. Zumindest nicht, wenn es nachhaltig sein soll.
Das Problem vieler Unternehmer ist, dass es oft gar nicht zum Vergnügen kommt. Es gibt immer genug zu tun und Arbeit ist reichlich da. Sich nun bewusst dem Vergnügen zu widmen würde bedeuten, die Arbeit bewusst ruhen zu lassen, sie für eine Weile niederzulegen, sich selbst zu priorisieren, oder sich wenigstens einen Slot im Kalender einzuräumen, der frei von Arbeit ist.
Für manche mag das nach Faulheit klingen, andere verstehen den Gedanken sehr wohl, aber dennoch gehört der Abend noch den letzten E-Mails, vom Bett aus kommt noch der letzte Blick aufs Handy, das Wochenende beginnt mit einem kurzen Blick aufs Telefon, damit sich ja keine Ruhe einstellt und Urlaub ist theoretisch geplant, praktisch man halb auf der Firma anwesend.
Das Vergnügen wird verschoben, oder es findet statt, aber wird nicht genossen, nicht bewusst erlebt, weil der Kopf halb auf der Arbeit hängt.
Selbstfürsorge – unser Betriebskapital.
Stellen Sie sich vor, Sie fahren jeden Morgen mit demselben Auto zur Arbeit. Kein Öl wechseln, keine Inspektion, nie tanken. Die Zeit reicht halt nicht dafür. Irgendwann steht das Auto. Niemand würde hier die Frage nach dem „ob“ stellen, nur die Frage des „wanns“.
Der menschliche Körper funktioniert nach demselben Prinzip. Schlaf, Bewegung und Erholung sind keine Luxusposten im Unternehmeralltag, sie sind unsere Wartung. Wer sie weglässt, arbeitet auf Verschleiß. Das funktioniert kurzfristig noch sehr gut, mittelfristig sinkt aber unsere Leistung (oft ohne, dass wir es wirklich merken) und langfristig kommt die Rechnung.
Im Flugzeug erhalten wir den Sicherheitshinweis, dass wir im Ernstfall immer erst uns selbst die Sauerstoffmaske anziehen, und dann unsere Mitmenschen unterstützen sollen. Der Grund ist klar, wenn wir selbst bewusstlos werden, können wir unseren Mitmenschen nicht mehr helfen. Unsere Aufgabe als Unternehmer und Väter ist es auch, uns erst einmal um unser Wohl zu kümmern. Und ich sage es bewusst so, das hat nichts mit Egoismus zu tun. Nur wenn es uns selbst gut geht, können wir auch für andere da sein und wirkliche Leistung auf Dauer bringen. Für das Unternehmen, die Kinder, die Kunden, für die Mitarbeiter und für uns.
Wovon habe all diese Gruppen mehr? Wenn wir immer nur halb da sind, auf Grund fehlender Energie und fehlendes Fokus, oder wenn wir einfach voll da sind?
Selbstfürsorge ist also kein Widerspruch zu Leistung. Uns muss einfach klar sein, dass sie die Voraussetzung für anhaltende Leistung ist.
Der Krug, der sich leert
Stellen Sie sich Ihre Energie als einen Krug vor. Morgens gefüllt, manchmal mehr, manchmal weniger. Über den Tag wird daraus geschöpft. Entscheidungen, Gespräche, Konzentration, Verantwortung. Das ist normal. Dafür ist der Krug da.
Was aber passiert, wenn wir über den Tag oder über die Nacht nicht nachfüllen? Wenn der nächste Morgen beginnt, bevor der Krug sich erholt hat? Irgendwann zapft man aus einem leeren Behälter. Man fährt quasi auf dem letzten Tropfen. Auch hier gilt wieder: Das geht eine ganze Weile gut, aber irgendwann sinkt die Qualität, die Geduld schwindet, die Kreativität lässt nach, Arbeit beginnt sich aufzustauen (und wenn nur im Kopf). Es stellt sich ein Funktionieren ein, ohne dass man wirklich da ist.
Nachfüllen bedeutet nicht zwingend ein Urlaub oder stundenlange Auszeiten. Es kann bedeuten Schlaf ernst zu nehmen, ein zwei Atempausen über den Tag zu planen, mal einen Abend ohne Bildschirm zu verbringen, dass Handy bereits vor dem Schlafen gehen in den Flugmodus zu stellen oder auszuschalten. Alltagsbewegung zu planen, etwas zu essen dabeizuhaben, um nicht improvisieren zu müssen, 120 Minuten Kraftsport über die Woche zu verteilen. Echte Gespräche zu führen, Mitarbeiter zu fragen, wie es ihnen geht und wirklich zuzuhören, die Kinder in den Arm zu nehmen, andere anzulächeln.
Manche Zahnräder sind kleiner, manche größer, das ist sehr individuell. Aber es gibt viele Möglichkeiten den Krug wieder aufzufüllen.
Was Leistung mit Selbstwert zu tun hat
Es gibt noch einen tieferen Grund, warum das Vergnügen teils ausbleibt. Viele Unternehmer haben ihren Selbstwert eng mit ihrer eigenen Leistung verknüpft. Wer viel leistet, darf sich gut fühlen. Wer pausiert, muss das rechtfertigen.
Das kann ein gefährliches Muster sein, sowohl für die Gesundheit als auch für die Qualität der Arbeit selbst. Wer glaubt, nur durch permanente Leistung wertvoll zu sein, kann schlechter loslassen. Und wer nicht loslassen kann, erholt sich schlechter. Und wer sich nicht erholt, leistet langfristig weniger. Auf gar keinen Fall mehr. Nicht dauerhaft.
Es geht absolut nicht um Faulheit (wobei bewusst faulenzen etwas Wundervolles ist). Wir dürfen nicht vergessen, dass wir als Unternehmer oft Vorbilder sind. Andere zu Leistung zu inspirieren ist ein Geschenk, ein Wert, den unsere Gesellschaft braucht und etwas durchweg Positives. Anderen gesunde Leistung, die auf Dauer basiert, vorzumachen und sie dazu zu inspirieren, ist in meinen Augen wahre Führung. Das gilt für unsere Selbstführung, so wie für unser Umfeld.
Leistung und Erholung sind kein Gegensatz. Wie im Leistungssport auch, braucht es einfach beides. Das gilt ebenso für unsere mentale Leistung.
Was das konkret bedeutet
Erst die Arbeit, dann das Vergnügen; der Satz ist sicher nicht falsch. Aber er braucht zwei Ergänzungen: Die Arbeit muss realistisch gestaltet sein, und das Vergnügen muss tatsächlich stattfinden.
Wer Erholung, Bewegung und Selbstfürsorge genauso verbindlich einplant wie Kundentermine, wird feststellen: Beides funktioniert besser, die Arbeit selbst, so wie das Leben darumherum.
Wie nehmen Sie es wahr? Gibt es disziplinierte Arbeit und einvernehmlich auch disziplinierte Pausen? Ich freue mich auf Ihre Nachricht.
Falls Sie in dem Zusammenhang schon einmal über das Thema Schlaf nachgedacht haben, verweise ich Sie gerne auf meinen Artikel zum Thema Schlaf.
Florian Assenmacher | Personal Trainer Oberberg
Ihr Personal Trainer in Bergneustadt, Gummersbach und dem gesamten Oberbergischen Kreis