Wie zwei Stunden die Woche alles verändert haben
„Mit 34 dachte ich: Noch fünf Jahre so, dann bin ich krank.“

Das war keine dramatische Erkenntnis. Auch kein Zusammenbruch. Eigentlich überhaupt kein großer Moment. Es war eher eine nüchterne Bestandsaufnahme an einem Morgen nach einem langen Jahresendspurt. Ich arbeitete damals als Manager bei DHL Express, Logistik, Weihnachtsgeschäft. Wer das kennt, weiß was das bedeutet.
Aber ehrlich gesagt war dieses Schichtende nur der Punkt, an dem ich es nicht mehr ignorieren konnte. Was mich dahin gebracht hatte, war keine einzelne Saison. Es waren zwei Jahre, in denen ich schlechter geschlafen hatte als gut, gegessen hatte was gerade da war, Sport als das betrachtet hatte, was nach allem anderen noch übrig bleibt — also meistens gar nicht. Ich wusste, wie man ein Team führt, wie man Prozesse optimiert, wie man Ergebnisse liefert. Aber wie man sich selbst vernünftig behandelt, hatte ich irgendwie nie gelernt. Oder nie für nötig gehalten.
Mein Arzt hatte kurz zuvor schlechte Leberwerte, zu hohe Fettwerte und Vitamin-D-Mangel festgestellt. Ich war leicht übergewichtig, dauerhaft müde und hatte das Gefühl, permanent gegen mich selbst zu arbeiten. Für andere da sein war selbstverständlich. Für mich selbst, das schien mir tatsächlich nicht notwendig.
Drei Monate Hadern
Meine Kinder hatten zu dieser Zeit bereits mir ihrem Taekwondo Training in einer Kampfkunstschule angefangen. Ich sah ihnen dabei gerne zu. Ich hatte als Kind selbst Judo gemacht und fand Kampfsport immer faszinierend. Der Wunsch selbst wieder etwas zu machen war also schnell geweckt. Doch die Entscheidung dauerte noch drei Monate.
Das lag nicht an fehlendem Willen. Es lag an zwei Fragen, die ich nicht so schnell beantworten konnte. Einmal: „Wie soll ich mir abends die Zeit herausnehmen? Was wenn auf der Arbeit etwas los ist, dann muss ich doch verfügbar sein?“ Ich arbeitete nachts und mein Verantwortungsbereich war größer als meine Arbeitszeit. Zudem: Wenn ich mir zwei Abende die Woche je eine Stunde herausnehme, ziehe ich das doch von der Familienzeit ab. Ich war ohnehin viel unterwegs und viel im Kopf woanders. Außerdem oft müde mit wenig Energie. Ich hatte also ein schlechtes Gewissen, mir diese Zeit für mich herauszunehmen.
Hätte ich gewusst, dass mir der Entschluss mehr Energie geben und somit auch meine Familienzeit qualitativ verbessern wird, hätte ich ihn viel früher gefasst. Aber das durfte ich zum Glück noch herausfinden. Die Woche hat 168 Stunden. Da müssen doch irgendwie zwei für mich drin sein? Mit diesem Gedanken machte ich folgendes: 1. Probetraining in der Kampfsportschule vereinbart. 2. Zuhause mein Bedürfnis kommuniziert. Und siehe da – es war überhaupt kein Problem. 3. Die Trainings-Slot in meinem Dienstkalender geblockt. Wertschätzend kommuniziert, dass ich in diesen beiden Stunden nicht verfügbar bin. Auch das ging. Und es tat richtig gut.
Was dann passierte
In den folgenden Wochen habe ich zehn Kilogramm Körperfett verloren. Und dazu noch etwas an Muskulatur aufgebaut. Das war eine wundervolle Veränderung, aber nicht die entscheidende.
Was mich wirklich überrascht hat, war die Wirkung auf meinen Alltag. Als Person, als Vater und als Manager. Ich schlief besser. Das war natürlich kein Zufall. Körperliche Belastung und „Auslastung“ verbessert nachweislich die Schlafqualität. Der Körper erholt sich tiefer, der Kopf kommt leichter zur Ruhe. Das habe ich nicht gewusst, als ich angefangen habe zu trainieren, aber zum Glück habe ich es erlebt. Wer besser schläft trifft bessere Entscheidungen und ist weniger gestresst. Das klingt banal, machte in meinem Alltag aber einen gewaltigen Unterschied.
Auch meine Kollegen haben die Veränderung wahrgenommen. Sie fragten, was ich anders mache. Einige haben angefangen sich Fragen über ihre eigene Ernährung und Bewegung zu stellen und das Gespräch mit mir gesucht. Unbeabsichtigt war ich zum Vorbild in Sachen Gesundheit geworden. In dieser Rolle hatte ich mich nie gesehen, aber andere taten es nun.
Die nächsten drei Jahre als Manager waren die besten meiner Karriere. Ich hatte den Entschluss gefasst etwas für mich zu tun – meine eigene Gesundheit zu priorisieren. Alleine das war ein Durchbruch. Ich war besser darin Grenzen zu setzen und mich selbst zu schützen. Meiner Arbeit hat es aber nicht geschadet, im Gegenteil. Ich war nie erfolgreicher. Im Leben hätte ich vorher nicht geglaubt, was Schlaf, Bewegung und Ernährung für Tools in Sachen Leistung sein können.
Heute bin ich mit 38 Jahren gesünder und fitter als jemals zuvor. Mein zehn Jahre jüngeres Ich würde staunen!
Warum ich das erzähle
Ich bin heute Personal Trainer und Gesundheitsberater. Nicht weil ich schon immer sportlich war, nein, war ich nie. Sondern weil ich weiß, was es bedeutet auf der anderen Seite zu stehen. Weil ich die Selbsterfahrung so sehr genossen habe, dass sie mich immer weiter in das Thema Gesundheit „hineingezogen“ hat.
Aus eigener Erfahrung sage ich: Es braucht keine radikale Veränderung. Nur einen ersten ehrlichen Schritt und ein paar Justierungen an den richtigen Stellschrauben. Und genau das auch anderen Führungskräften zu ermöglichen ist heute meine Aufgabe.
Wenn Ihnen selbst etwas davon bekannt vorkommt, freue ich mich über einen Kommentar oder eine Nachricht!
Florian Assenmacher
Ps: Wie Schlaf dabei eine entscheidende Rolle spielt, lesen Sie in meinem nächsten Artikel.
Florian Assenmacher | Personal Training Oberberg
Ihr Personal Trainer in Gummersbach, Waldbröl, Wiehl und dem gesamten Oberbergischen Kreis